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Annegret J. Freitag | Dezember 2006 | Casting
Kommentare (7) | RSS zum Artikel | Trackback zum Artikel
Wenn, wie es so oft und pathetisch heißt, “die Kinder unsere Zukunft sind”, dann ist die Zukunft der Medienbranche abhängig von der Qualität des journalistischen Nachwuchses. Tja – und da kann man sich manchmal nur wünschen, dass die Klimakatastrophe schneller ist…
… um der gnadenlosen Verflachung, PR-Isierung und Copy-and-Paste-Plagiatierung zuvorzukommen, die drohen, wenn viele jener hoffnungsvollen “Nachwuchsjournalisten” auf die Medien – ob nun unabhängig oder Corporate Publishing – losgelassen werden.
Solch Frust rührt von einer aktuellen Suche nach passenden Volontären her, die uns derzeit vor allem eines bringt – jede Menge Kopfschütteln.
“Ich möchte was mit Medien machen” ist noch die brauchbarste Aussage vieler Bewerber – die sich natürlich alle “im Internet gut auskennen”. Weil sie wissen, wie man G-O-O-G-L-E buchstabiert?
Von Sorgfaltspflicht, Interviewformen und Fragetechniken haben die meisten dieser Möchtegern-Schreiberlinge oft genausowenig Ahnung wie von den berühmten W-Fragen.
Und das Spannungsfeld Journalismus-PR reflektieren einige mit der Bemerkung: “Wo ist denn da der Unterschied?”
Wo sind nur die ambitionierten, lokalerfahrenen Jung-Journalisten, die sich nicht scheuen, auch mal im Vorfeld einer Bewerbung den Hörer in die Hand zu nehmen, um den Firmenchef zu interviewen – statt das in der Ausschreibung geforderte Firmenporträt von der Unternehmensseite abzuschreiben…
7 Kommentare
Annegret J. Freitag11th Dezember 2006
Leider bringen viele Volo-Anwärter nicht einmal die grundlegendsten Fähigkeiten oder Basiskenntnisse für das Erlernen des Redakteurs-Berufes mit.
… wenn schon das Bewerbungs-Anschreiben zwei Rechtschreib- oder Grammatikfehler pro Satz enthält
… wenn der Abdruck eines Leserbriefes in einer Zeitung als journalistische Arbeit gewertet wird
… wenn beim Probetext das Allerwichtigste im allerletzten Satz versteckt ist
… wenn für ein Interview Fragen erstellt werden, die inhaltlich und stilistisch völlig am Interviewpartner vorbei gehen
… wenn aktuelle Spannungsfelder der Branche wie Anzeigen-Akquise vs. redaktionelle Freiheit nicht einmal bekannt sind
… wenn grundlegende Begriffe aus der Medien-Welt (wie z.B. “Ressort”, “Aufmacherbeitrag” oder “Dachzeile”) einem Bewerber nix, aber auch gar nix sagen
… wenn Arbeitszeiten am Wochenende oder am späteren Abend als utopisch angesehen werden
… wenn überhaupt nicht bekannt ist, dass Journalisten eben nicht primär “Meinung machen” sondern “Bericht erstatten” (O-Ton Bewerbungsgespräch: Frage: “Was ist das Ziel eines Berichtes?” Antwort: “Na, ich will den Leuten sagen, was sie von den Sachen halten sollen.”)
Dann ist auch mit viel Einsatz aus einem solchen Bewerber kein Redakteur zu machen.
Erschreckend ist nicht, dass es solche Bewerber gibt. Erschreckend ist, dass es sie in solchen Mengen gibt.
Anders, als in früheren Jahren.
Kay A. Schönewerk
11th Dezember 2006
Natürlich sollen und können Volontäre heute keine fertigen Journalisten sein. Deshalb ist es eine Ausbildung.
Aber es werden junge “Macher” mit relativ fundierten theoretischen (daher bevorzugt Hochschulabsolventen) sowie ansatzweise praktischen Vorkenntnissen gesucht.
Das war früher nicht zuviel verlangt – und sollte es heute auch nicht sein.
ps: Eine sehr spannende Diskussion läuft zu diesem Thema aktuell im Journalisten-Netzwerk “Jonet” (allerdings nur für registrierte Listen-Mitglieder abrufbar).
Sandra Simon
11th Dezember 2006
Wo ist die Motivation, die Neugier und die Lust auf neue Herausforderung bei der jungen Generation geblieben?
Ich selbst gehöre dazu und schwimme seit Jahren mühsam gegen den Strom. Ich zwänge mich zwischen die Nullböcke, Angsthasen und Lustlosen dieser Zeit hindurch und kämpfe hart für das, was ich will. Noch bin ich jung – habe Kraft zum Kämpfen.
Wegbegleiter, die sich mit mir durch die Masse zwängen, habe ich selten – zu selten.
Was der breiten Masse – den möglichen Volos fehlt? Ganz einfach die Liebe zum Beruf, die das Verlangen sich weiterzuentwickeln und das Gespür für Sprache.
Markus Scholle
12th Dezember 2006
Es ist schon komisch, dass man nicht einfach zugeben kann, billige bzw. kostenlose Arbeitskräfte zu suchen.
Stattdessen wird dauernd behauptet, die Bewerber wären schlecht und müssten erstmal gerade gebogen werden. Quasi als Rechtfertigung, warum man sie als vollwertige Arbeitskräfte einsetzt – mit allen Pflichten aber kaum Rechten. Arbeit am Wochenende und spät abends? Gern, wenn es bezahlt wird. Aber nein, man muss ja Herzblut zeigen und “brennen”, wie man gern eine Radiokollegin zitiert.
Stattdessen wird eine angebliche Allrounderin vorgeschoben, die den Jungspunden erstmal zeigen muss, wie der Hase läuft. Dabei fragt man sich, welche Redaktion die Dame eigentlich leitet. Was genau tut diese Agentur denn redaktionell? Ich meine, so richtig redaktionell. Wo sind die Artikel in den vielen Medien, die diese Agentur nach eigenem Bekunden ständig beliefert?
Und was hat Frau Freitag vorher gemacht? Wo sind ihre Artikel, die sie angeblich schrieb? Selbst mit viel Mühe findet sich nicht ein Beitrag im Netz, der nicht aus der Agentur hervorgegangen ist und vor PR nur so stinkt. Das eigene Medium Vision M ist ein Paradebeispiel dafür, wie man PR in eine Hülle verpacken kann, damit es nicht gleich so auffällt. Was sie ja auch offen zugeben, wenn man sich so durchs Netz liest.
Und ausgerechnet diese Agentur will uns jungen Leuten erklären, wie der journalistische Hase läuft?
Annegret J. Freitag
12th Dezember 2006
Wir haben diese Diskussion in ähnlichen Zusammenhängen schon tausendfach geführt. Aber ich glaube, in einer Sache sind wir uns tatsächlich einig: Eine praktische Ausbildung muss für beide Seiten spannend, herausfordernd und interessant sein.
Und dafür müssen beide Seiten – ja, damit meine ich ganz besonders auch das jeweilige Unternehmen – hohes Engagement und Leistung zeigen: So muss der Ausbildungsbetrieb dem Auszubildenden (auch in diesem Stadium) eine verantwortungsvolle Position mit viel Freiraum für eigene Ideen – und hohe Karrierechancen einräumen. Denn die Absolventen erwarten nicht nur hervorragende Berufseinstiegs- und Karrieremöglichkeiten, sondern dieses Verhalten bringt auch dem Unternehmen Vorteile in der Beurteilung des Praktikanten. Aber dazu später mehr.
Vorab: Wenn jemand ein Studium absolviert und auch noch Zusatzqualifikationen erworben hat, heißt dies noch lange nicht, dass er deshalb beruflich erfolgreich sein wird. Hochschulabschlüsse sagen rein gar nichts darüber aus, ob man kontaktfähig ist, selbstständig zu arbeiten vermag, teamorientiert denken kann, Phantasie und Ausdauer mitbringt, kritikfähig – inklusive Selbstkritik – ist, einen Sinn für das Machbare hat, über Führungsqualitäten und ein sicheres Auftreten verfügt.
Hochschulabschlüsse sagen auch nichts aus über Fleiß, zielstrebiges Handeln und Ausdauer, geistige Beweglichkeit, Denken in Zusammenhängen, ergebnisorientiertes Arbeiten, Menschenkenntnis, soziale Kompetenz und Führungsqualitäten, Durchsetzungsfähigkeit durch überzeugende Argumente, Fähigkeit zur Teamarbeit, Probleme von verschiedenen Seiten angehen, Phantasie, Kreativität – und Realitätssinn (Was glauben Sie, wie viele allein schon an dem letzten Punkt scheitern.)
Natürlich verfügt niemand über all diese Qualifikationen. Jeder hat Stärken und Schwächen. Aber genau deshalb ist eine praktische Ausbildung/ein Praktikum die große Chance für den Absolventen, sich sich empfehlen, sich anzubieten – ja, sich unentbehrlich zu machen.
Zwar reden einige wenige – und da sind wir wieder beim Sinn für Realitäten – von einer “Generation Praktikum”, die sich in einer nicht enden wollenden Ausbildungsschleife befinden würde. Eine Generation, die jung, gut ausgebildet, motiviert ist und angeblich trotzdem keinen Job bekäme. Das kann ich so nicht unterschreiben. Sowohl bei uns als auch bei anderen befreundeten Unternehmen ist es gar nicht ungewöhnlich, dass aus Auszubildenden/Absolventen echte feste Mitarbeiter werden. Ja, sehr oft sogar unbefristete Arbeitsverträge – und hier kann ich vor allem für unser Unternehmen sprechen – ausgestellt werden. Ein Fakt, der in der Branche heutzutage – und da berichtigen Sie mich bitte, wenn ich mich irre – wohl eher sehr unüblich ist.
Aber im Grunde eine völlig logische Sache. Wir sprechen in der Agentur in diesem Zusammenhang oft von einem Dilemma, in dem wir uns hier in Ostdeutschland und im Hinblick auf den Mangel an erfahrenen und ausgebildeten Fachkräften befinden: “Die, die wir haben wollen, kriegen wir nicht. Und die, die wir kriegen können – wollen wir nicht.” Wir erwarten sogar, dass der Kampf um Fachkräfte in den nächsten Jahren noch weiter zunehmen wird. Also haben wir nur eine Chance – die Rekrutierung von geeignetem Nachwuchs, quasi aus den eigenen Reihen.
Denn was hat ein Arbeitgeber denn für eine Chance? Soll er tatsächlich auf den nächsten Absolventen warten (was ihm ja immer wieder vorgeworfen wird); auf einen Menschen, der fachlich und sozial vielleicht ein absoluter Reinfall ist? – Oder nimmt das Unternehmen lieber Geld in die Hand und stellt den Absolventen fest ein?
Unsere Agentur jedenfalls hält gute Leute fest. Allein in diesem Jahr waren es wieder 5 Festanstellungen. Und es werden immer mehr. Unbefristete Festanstellungen, wie gesagt. Denn wir können es uns eines nicht leisten – dass diese sehr gut ausgebildeten und hochgradig engagierten Menschen – meist um die 30 Jahre alt – sich für das nächste Praktikum bewerben. Und so beim Wettbewerb landen…
Grundlegend für eine solche Übernahme sind allerdings Ausdauer und ein langer Atem. Und Fleiß nicht zu vergessen. Henry Ford hat einmal gesagt, Erfolg sei zu 10% Inspiration und zu 90% Transpiration. Die meisten unserer Absolventen haben diese Kraft und diesen Mut. Und dafür werden sie bei uns belohnt: Mit einem sehr gutem Team, sehr guten Kunden und spannenden Aufgaben.
Aber die, die es nicht geschafft haben, sich unentbehrlich zu machen, die sehen wir heute ein Praktikum nach dem anderen machen – oder sich alleine freiberuflich abstrampeln… und manche von ihnen werden tatsächlich zur “Generation Praktikum”. Denn die möchte auch unser Wettbewerb nicht haben.
Kay A. Schönewerk
12th Dezember 2006
Im Hinblick auf die Fachkräftesituation in den nächsten Jahren kann ich nur wiederholen: Wir können uns den Weggang dieser guten Leute nicht leisten..
Markus Scholle
14th Dezember 2006
Lange Erklärungen, die insgesamt inhaltsleer sind. Keine Antwort auf Vorkenntnisse der Frau Freitag, keine Antwort auf die Frage nach echten Referenzen in Zeitungen und Zeitschriften.
Und wenn ich mir die Referenzen so ansehe, ist dieses so genannte Journalistenbüro eine getarnte PR-Agentur.
Schön auch die Aussage, dass sie die, die sie wollen, nicht kriegen. Richtig. Und sie wissen warum. Ihr Status bei den Bewerbern “da draussen” sinkt täglich. Ehemalige Praktikanten reden. Sehr viel sogar. Wirklich köstlich.
Und wenn man dann andere Einträge hier liest, etwa dass die ach so tollen Kunden ja eigentlich Scheisse sind, weil sie nicht pünktlich zahlen, kommt eins zum anderen. Wann haben ihre angeblich fest angestellten Mitarbeiter das letzte Mal ihren Lohn bekommen? Aber vielleicht muss man da Nachsicht haben – wenn es schon für die “eigenen Reihen” nicht langt, kann man natürlich auch keine Praktikanten bezahlen. Ich habe verstanden.
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