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    Anne Linke | September 2007 | Am Tresen , Die Meinungsmacher
    Kommentare (3) | RSS zum Artikel | Trackback zum Artikel

    Mut ist, da machen wir uns nichts vor, eine Schlüsselqualifikation im Journalismus. Man muss hohen Tieren kritische Fragen stellen und sich mit seinen Artikeln in aller Öffentlichkeit gegen Kollegen und Neider durchsetzen. Eine ECHTE Mutprobe hat jetzt das „LVZ Magazin“ abgeliefert.

    Eine weitere Herausforderung für Journalisten ist der Umfang. Es ist stets schwierig, eine täglich erscheinende Zeitung immer wieder mit neuem und interessantem Inhalt zu füllen. Auch diesem SCHWERWIEGENDEN Problem begegnet die Leipziger Volkszeitung souverän.
    foto-3-us-damen.jpg

    Man nehme ein übergroßes Bild von drei übergroßen amerikanischen Damen (soll es dort geben), fülle damit die halbe Seite (ja, des normalen Zeitungsformats) und hoffe darauf, dass die Leser zumindest ziemlich weitsichtig sind, wenn nicht sogar blind. Letzteres ist vor allem zu empfehlen, wenn, wie bei dem angeführten Beispiel, die Ladys auch noch Gürtel mit Röcken verwechselt haben und die tiefen Einblicke in die weibliche Anatomie einem schnurstracks ins Auge fallen.

    Da man sich als Redakteur leider nicht auf die Sehschwäche seiner Leser verlassen kann, gibt es dann noch ein Hilfsmittel: Man verwende einfach ein Foto mit einer dermaßen schlechten Auflösung, dass die ein oder andere Delle durch Pixel überdeckt wird.

    Schade eigentlich. Schade, dass Geschmack nicht Bestandteil der geforderten Qualifikationen ist. Obwohl: Hier sollte die profunde Fähigkeit zum natürlichen Nachsinnen über das eigenen Handeln bereits ausreichen, um solche Pixel-Carambolagen zu verhindern.

    Aber Verständnis, werte LeserInnen! Wir kennen die Situation in der Medienbranche. Hektisch ist sie. Fünf vor zwölf – noch eine halbe Seite ist zu füllen. Die guten Themen sind weg, die guten Fotos auch. Ein schneller Griff zu dem Stapel mit den „Fett und Spaß dabei“-Bildern und ab dafür in die Druckmaschine!

    „Fett ist kein Schimpfwort“- schön und gut. Dies soll auch kein Angriff auf Übergewichtige werden – mehr ein Appell. Solche Fotos unterstützen nicht gerade ein positives, respektvolles Bild von denen, die unter ihrem Gewicht sowieso schon zu leiden haben. Spricht sich der dazugehörige Artikel noch für mehr Respekt und Verständnis gegenüber Dicker aus, so nimmt dieses Foto der Argumentation jegliche Basis und regt dem Leser, dem der Umfang des Textes die Lust am Lesen nimmt, eben doch dazu an, FETT als Schimpfwort zu verwenden.

    (Bürogespräch zwischen Anne und Tobias)

    3 Kommentare

    Susanne

    “Fett ist kein Schimpfwort” – obwohl das Bild wohl doch eher das Gegenteil beweist. Die Frage ist jedoch, welche Wirkung mit dem Beitrag erreicht wurde. Die Dicken essen aus Frust gleich weiter und die Dünnen essen noch weniger, um niemals so auszusehen . Eine zweite Frage betrifft die Geschmacklosigkeit. Warum traut sich manche normalgewichtige Person (wobei ich darauf verzichte, anzugeben, was denn heutzutage normalgewichtig heißt) nicht, einen Minirock zu tragen? Weil ja zuviel Cellulite gezeigt werden könnte! Und andere wiederum (siehe das besagte Foto) lassen uns teilhaben an ihren “Fettpölsterchen”! Völlig geschmacklos, sage ich, aber anscheinend finden es manche ganz doll, ihre üppigen Problemzonen mit uns zu teilen :-(. Und bevor gleich der Einwand kommen sollte, im Alten Griechenland waren die dicken Frauen angesagt, da sie Reichtum symbolisierten: aber schließlich sind sie auch nicht im Minirock rumgelaufen!





    Sebastian Rothe

    Auch Dicke gehören in die Zeitung! Wenn die “Bild” wieder einmal ein übrergroßes Nacktmodell auf die Titelseite druckt hat ja auch keiner was dagegen – zumindest stört es die wenigsten “Bild”-Leser. Dass die Leser der LVZ im Gegensatz zur Blöße der “Bild”-Modells, durch freitägliche Dünnhäutigkeit verstärkt, ästhetisch betroffen fühlten, man kann es sich vorstellen. Vielleicht ist die Frage wirklich angebracht, warum die Redakteure den Dicken (ich erkenne derer aber nur zwei auf dem Foto) soviel Platz einräumten – das Motto Umfang für Umfang, Masse für Masse sollte ja nicht zu den journalistischen Prinzipien zählen. Die Frage ist aber nicht: Warum überhaupt Dicke in der Zeitung? Alles hat seine Berechtigung. Und in einer Zeit, in der sich Millionen von Medienkonsumenten Abend für Abend im Fremdscham baden, sollte ein solches Foto, in welcher Qualität auch immer, nicht mehr wundern.





    Tobias Lange

    Also zuerstmal: Ich bin kein passionierter Bild-Leser, aber hat selbige nicht immer ein übergroßes Nacktmodell auf der Titelseite? Zurück zum Thema: Als im seichten Qualitätswasser hartgekochter Mediennutzer führt der LVZ-Beitrag Man sollte aber nicht den Fehler machen, sich an den Mangel von Qualität zu gewöhnen – sei es Bild, LVZ oder meinetwegen der Playboy. Begründete Entrüstung hat Vorrang vor Fünf-Minuten-RezipientenEi-Mentalität.











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