This entry was posted on Freitag, September 28th, 2007 at 15:14 and is filed under Die Meinungsmacher. You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0 feed. You can leave a response, or trackback from your own site.
4iMEDIA Agenturgruppe
4iMEDIA Corporate Publishing
4iMEDIA Public & Media Relations
4iMEDIA Strategie & Beratung
4iMEDIA Journalistenbüro
4iMEDIA SEO Professionals
4iMEDIA Innovation Lab
jam&chips - next generation content
Studio503 - Fotografie und WebTV
Interimsanschrift
bis Ende 2010
Listhaus . Friedrich-List-Platz 2 . 04103 Leipzig
Tel +49 (0) 341 870 98 40
Web: www.4iMEDIA.com
..................................................
..................................................
Neue Kommentare
..................................................
Tobias Lange | September 2007 | Die Meinungsmacher
Kommentare (1) | RSS zum Artikel | Trackback zum Artikel
Die drei Mahlzeiten am Tag sind wichtig, so sagt der Volksmund. Auch wenn Abseitige das hin und wieder anzweifeln mögen. Und jede dieser Mahlzeiten hat ihren ganz eigenen Charakter. Selten zumindest wird zum Frühstück das selbe wie zum Mittagessen gegessen, zum Mittagessen selten das gleiche wie zum Abendbrot usw. Nur eines haben sie alle gemeinsam: Sie sind die Augenblicke am Tag, an denen es Zeit ist, zu mahlen. Und seien es – als ungewohnte Beilage zu Brötchen und Kaffee – schwerwiegende Themen wie den touristischen Königsweg der Stadt Leipzig. Unter dem Motto “Musikstadt Leipzig – Wohin geht die Reise?” fand in diesem Sinne am Mittwoch das 126. Tourismusfrühstück in den Katakomben der Moritzbastei statt. Die Eingeladenen drängten sich erstaunlicherweise mehr vor dem Podium als vor dem Frühstücksbuffet, vielleicht ein Indiz dafür, wie unerwartet hitzig es in den Mittwochmorgenstunden in den eigentlich kühlen Gewölben zugehen sollte. Warum es so viele Leipzigs gibt, warum das gut ist und warum nicht, wie sich Johann Sebastian Bach gegen Musik im Allgemeinen ausspielen lässt und was es mit der nebulösen Aussage Volker Bremers, Geschäftsführer des Leipzig Tourist Service e.V. und der Marketing Leipzig GmbH auf sich hat – man solle in Bezug zur Stadt Leipzig keine multiplen Botschaften vermitteln und sich trotzdem nicht singulär aufstellen, das soll an dieser Stelle diskutiert werden: ein Zwiegespräch…

Über das Missverständnis von Kunst und Marketing
Musik ist facettenreich – manchmal ästhetisch verklärt, manchmal unumwunden und direkt, manchmal oft völlig in sich gekehrt und mit sich selbst beschäftigt. Eines ist Musik aber nicht: Ein Holzfäller – der personifizierte Pragmatismus. Und das ist das Problem, denn während Musik so gerne solipsistisch tut, täte es ihr wohl, wenn sie von Außenstehenden wahrgenommen, begutachtet und kritisiert würde. Da die Menschen in ihrer Person aber stets dazu tendieren, ein solcher Flanellhemdenpragmat zu sein, fällt es ihnen schwer, den Stellenwert der Leipziger Musikkultur zu erkennen und diese Erkenntnis – beispielsweise mit einer Reise in ein kulturelles Zentrum wie es Leipzig ist und sein möchte – zu honorieren.
Gut also, dass es Menschen gibt, die Musik als Produkt betrachten (etwas, das Künstler weder können, noch wollen sollen) und sich ihre Vermarktung zur Aufgabe machen. Von dem Irrglauben, Marketing führe zum Ausverkauf von Kunst, muss man sich trennen – denn eines kann der Musik und Künstlern sicher nicht ungelegen kommen: Zusätzliche Aufmerksamkeit.
Kunst – ein Produkt! Bachs Matthäus-Passion, Beethovens Neunte – Produkte für Marketing-Professionals und Touristenwerber, das darf doch wohl nicht … ich muss ja wohl bitten …da graut es mir … das ist, mit einem Wort: absurd! Dass sich die Stadt etwas einfallen lassen muss, um im nationalen und internationalen Städtetourismus etwas darstellen zu können ist doch eine Sache und dazu noch eine durchaus legitime. Doch muss es in einem bestimmten Rahmen bleiben. Ein Einfall muss kein Herfall sein, bei dem Marketingleute mit kühler Berechnung mit scheinehrfürchtiger Stimmlage auf das Leben und Werk der Künstler verweisen, um das Ganze schließlich auf sein Vermarktungspotenzial zu reduzieren. Da bleibt doch nichts mehr übrig! Wenn zu allem Überfluss noch zugunsten der Sezession frech damit geworben wird, dies geschehe zum Vorteil der Kunst, dann bleibt den Liebenden der Kultur wütenden Herzen schlicht und einfach die Luft weg. Die Aura des Kunstwerks lässt sich nicht auf Imagekampagnen übertragen! Aufmerksamkeit entsteht durch Qualität und durch die Schaffenskraft des Pragmatismus füllen sich keine Konzerthäuser und Galerien.
„Keine multiplen Botschaften und trotzdem nicht singulär aufgestellt“
Wer hat Angst vor der bösen, bösen Vielfalt? Und wer will sich denn festlegen, wenn so vieles zur freien Verfügung steht? Natürlich ist die Qual der Wahl immer eine Herausforderung. Doch muss man sich ihr überhaupt unterziehen? Kann Leipzig nicht einfach bloß eine Musikstadt sein, oder muss sie unbedingt als Bachstadt existieren? Verständlich diejenigen, die sich mit Spott gegen die Schizophrenie des Leipziger Allerlei wehren: Wer will schon in diesem Mischmasch aus Buch-, Messe-, Sport-, Uni-, Musik- oder Bachstadt leben? Dass Leipzig durchaus eine Musikstadt sein kann, das bleibt allerdings unbestritten. Doch schauen die Verantwortlichen nur allzugern und einseitig in die Vergangenheit und betonen Tradition und Geschichte, reden von Mendelssohn, Schubert und, nicht zuletzt, von Bach. Bach hängt als hölzerne Gallionsfigur vorne am Bug, ob er nun will oder nicht. Nur wird neben den anderen namhaften (toten) Komponisten aus der Vergangenheit auch etwas nicht ganz Unwesentliches vergessen: die Gegenwart. Und die ist bunt und vielseitig und lässt sich keiner abgegriffenen Traditionslitanei unterordnen. Was wäre denn Leipzig ohne diese lebendige Musikszene, den Konzerten, die es an jedem Abend der Woche gibt, den Clubs der Freien Szene, dem Rock, Pop, Jazz? Will man das wirklich einem einzigen Namen unterordnen oder lässt man Leipzig, der Musikstadt, sein Vielfalt? Letzteres wäre angebrachter!
Omnipotente Musikstadt Leipzig – das klingt verlockend! Doch wie demonstriert und kommuniziert man Vielfalt und Weltoffenheit nach außen? Denn das „wir haben alles“-Argument zieht leider nicht. Alles bekommt man – irgendwie – eben überall. Schon der MP3-Player in meiner Tasche genügt mir dazu. So ist es nur legitim, wenn man als großes Leuchtfeuer der Aufmerksamkeit etwas jemanden hochhält, der mitnichten überall zu finden ist. Johann Sebastian Bach ist so ein Phänomen. Man muss ihn nicht erklären und allein der Name hat schon eine magische Anziehungskraft. Also keine falsche Scham vor dem Grundstein, der die Musikstadt (mit) zur Musikstadt hat werden lassen – man darf das Kind beim Namen nennen!
Es ist kein Verrat an der Vielfältigkeit, sich in der Vermarktung der Stadt auf diese Geschichtsikone zu konzentrieren. Im Gegenteil: Ist es nicht erst die vielfältige Verbundenheit mit der Musik, die solche Größen hervorbringt und anzieht – ein singuläres Symbol für einen multiplen Charakter? Und können große Namen nicht auch eine große Inspiration sein? Warum also nicht damit in die Welt hinausgehen, anstatt ein schwammiges Allerlei vorzuhalten, das niemanden vernachlässigt, aber auch niemanden begeistert. Die Leipziger kennen den Facettenreichtum ihres Musik-Leipzigs und wer zu Besuch kommt, wird ihn erleben (und vielleicht bereichern). Doch kommen muss erstmal jemand und die besten Argumente sind nunmal nicht die vielen Kleinen, sondern die außerordentlichen Großen!
Autoren: Sebastian Rothe und Tobias Lange.
1 Kommentar
Anne Linke28th September 2007
Omnipotenz? Multiple Botschaften? Vielfältigkeit? Mir kommt es eher so vor, als würde jeder “Experte” der Tourismusbranche versuchen sein eigenes Steckenpferd mit ins Rennen zu bringen und so weit vorn wie möglich zu positionieren. Was dabei raus kommt ähnelt eher einem “Kessel Buntes” als einem einheitlichen und stringentem Konzept. Dabei kommt es doch auf das Große und Ganze an. Leipzig muss “groß” werden, wenn es jemals von seinem Ruf des “internationalen Dorfs” weg will.
Ihr Kommentar
Sie können folgende HTML-Tags verwenden, um Ihren Kommentar zu formatieren:
Link: <a href="http://www.xyz.de">Text</a>
Bild einfügen: <img src="http://www.xyz.de/bild.jpg"/>
Text (Fettdruck): <b>Text</b>
Text (kursiv): <i>Text</i>
Text (unterstrichen): <u>Text</u>
weitere Hilfen zum Thema HTML finden Sie hier




