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    Annegret J. Freitag | Mai 2007 | Allgemein
    Kommentare (3) | RSS zum Artikel | Trackback zum Artikel

    Dass Politiker prinzipiell nur ungern die ungeschminkte Wahrheit sagen, Wirtschaftsbosse dies ebensogern umgehen und selbst vermeidliche Kleine-Leute-Vertreter wie Gewerkschafter sich die Realität nach Gusto zurechtbiegen – darauf stellt sich der moderne Medienbürger seit Jahren ein.

    Wenn aber einer der Lüge – oder zumindest der eklatanten Realitätsverzerrung – entlarvt wird, dessen Darstellungen und Aussagen man bislang nie in Frage stellte, den man vielmehr als Aufklärer der Augenwischereien und Blendungen diverser “Lügenbarone” aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft feierte – dann beginnt der so verballhornte Zuschauer wirklich zu zweifeln.

    So gesehen bedeutet die Enthüllungsrecherche von Debbie Melnyk und Rick Caine (siehe dazu auch hier, hier und hier) über die Inszenierungen des vermeidlich unerschütterlich der reinen Wahrheit verpflichteten Dokumentarfilmers Michael Moore einen viel tieferen Schlag ins Kontor des Vertrauens der Rezipienten in Medieninhalte, als es jede Bush-Rede zu Demokratisierungserfolgen in Nahost oder jedes Wahlkampf-Märchen führender Vertreter hiesiger Volksparteien jemals könnte.

    Die andere Sichtweise wäre jedoch: Mit seinen inszenierten Wahrheiten begibt sich Moore auf das Niveau seiner Gegner – und schlägt sie so mit ihren eigenen Waffen. Weiter gedacht bedeutet dies: Mit echter Wahrheit ist kein Blumentopf mehr zu gewinnen im Kampf um die Aufmerksamkeit der Massen in einer Welt der allerorts kreischbunt auf uns hereinprasselnden Informationshäppchen-Flut. Also bleibt dem Aufklärer Moore gar keine andere Möglichkeit, als seine Darstellungen zu überhöhen, zuzuspitzen – und damit teilweise fiktiv zu gestalten…

    Der moderne Medienbürger hat jedenfalls dank zahlreicher heilsamer Erlebnisse in punkto Glaubwürdigkeit von Inhalten schon ein ziemlich “dickes Fell” – und reagiert deshalb auch auf die Moore-Enthüllungen allenfalls mit einem müde-resignierten “Der also auch…” Gut für den Regisseur, der, wenn er das Glück hat, dass auch in seinem Fall die Story schnell vom nächsten sensationsträchtigen News-Flash verdrängt wird, bald wieder die Kinosäle füllen dürfte.

    Trotzdem: Ein schaler Nachgeschmack bleibt…

    3 Kommentare

    Kay A. Schönewerk

    Man braucht tatsächlich keine Adleraugen, um zu erkennen, dass Moore seine Gegner mit ebenjenen Mitteln angreift, die er ihnen vorhält: zur Hysterie gesteigerte Emotion statt kühler Vernunft, Tatsachenverdrehung im eigenen Interesse.





    Kay A. Schönewerk

    … Nachtrag: Der Mann betreibt eine Mischung aus Meinungsjournalismus und Reality-Unterhaltung mit den Mitteln des Kinos – und mit ebensolcher Popularität wie seine Kollegen im amerikanischen Fernsehen. Selber schuld, liebes Amerika!





    Aston

    Ein schaler Nachgeschmack bleibt…

    Besonders dann, wenn man diesen Mann als einen der “vernünftig denkenden” Vertreter der menschlichen Sorte gesehen hat. Die Enttäuschung ist natürlich groß, aber dies beweist nur, dass es wohl niemanden gibt, der den modernen Drogen dieser Welt widerstehen kann.
    Wenn der Einsatz stimmt, wird sogar die eigene Mutter als Staatsfeind verkauft. Traurig, traurig. Ehre, Treue Wahrheit sind wohl nichts weiter als die Überreste der großväterlichen Überzeugungen.

    Shame on you Mr.Moore!!!

    Mit altruistischen Grüßen

    Euer
    Aston











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