This entry was posted on Sonntag, Februar 18th, 2007 at 16:21 and is filed under Auf der Couch. You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0 feed. You can leave a response, or trackback from your own site.
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Anne Meier | Februar 2007 | Auf der Couch
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Der Sonntag ist das eigentliche Wochenende. Am Samstag finden sich gern und oft Gründe, um schnell noch einen Blick auf Arbeitsunterlagen zu werfen und einige Dinge aufzuarbeiten, die in der Hektik der Woche untergehen. Dagegen ist uns der Sonntag einigermaßen heilig – selbst Gott ruhte am siebenten Tag der Woche. Ja, sonntags versucht also der Arbeitsmensch nur Mensch zu sein.
Das ist ein bisschen ungewohnt und fühlt sich an, als hätte man eben wie Columbus 1492 den Fuß auf unbekanntes Land gesetzt. Die sonntäglichen 24 Stunden dehnen sich vor dem inneren Auge endlos und der homo workaholicus neigt dazu, mit leichter Orientierungslosigkeit auf diese Weite zu reagieren. Äh, ja nun, man hat sich also zunächst pflichtbewusst bis neun Uhr in den Federn aufgehalten – obwohl man schon um sieben putzmunter war. Dann greift man gewohnheitsgemäß zur Kaffeetasse; keine Schwierigkeiten hier. Allerdings erwischt man sich selbst kurz darauf nebst Kaffeetasse an der Wohnungstür, die Hand nach der Aktentasche ausgestreckt. Selbst nach intensiver Selbstreflexion fällt einem keine plausible Erklärung ein. Also setzt man sich wieder. Wippt ein bisschen mit dem Fuß. Trinkt noch mehr Kaffee.
Die Sonne scheint, wie schön. Was, um Gottes Willen, tut man sonntags? Den Sonntagsstaat aus dem Kleiderschrank kramen, festlich Mittag essen, Spazieren gehen… Freunde treffen, natürlich. Eine blendende Idee, zumal die Sonne so schön scheint. Kaffeetasse gegriffen und ab auf das Sofa mit Blick auf blauen Himmel, den Laptop auf dem Schoß. Oh doch, selbst homo workaholicus ist ein soziales Wesen. Die Zahl seiner Freunde geht in die hunderte. Mal schauen, wer so da ist bei MSN Messenger, Yahoo, Xing, studiVZ, ICQ, StayFriends - neue Wortmeldungen auf den diversen Blogs (hier und hier)? Ja, und da ist er, treu wie Gold - der weit verteilte Freundeskreis, das virtuelle Sonntags-Kaffeekränzchen.
Immer wieder sonntags pflanzen unzählige leicht orientierungslose Arbeitsmenschen ihre Standarte im World Wide Web auf und mustern die Reihen der virtuellen Mitstreiter bei der Eroberung des unbekanntes Landes. Soziale Isolierung oder weltumspannende Vernetzung? Wie dem nun auch sei, lieber homo workaholicus, du hast eine Menge Verbündeter!
Und wie nett, Kaffee ist ja auch noch da.
4 Kommentare
Alexander Trust18th Februar 2007
Du hast Gotfriends.net vergessen. Die sozial verträgliche Alternative zum StudiVZ, die bald ein Zuhause für die Studis bieten wird, wenn dem Holtzbrinckkonzern die Luft ausgeht…
Anne Meier
19th Februar 2007
Das wollte ich natürlich nicht auf mir sitzen lassen und habe mir eine Existenz bei Gotfriends geschaffen. Mutet – bis auf die nichtkommerziellen Beschwörungsformeln – zunächst tatsächlich sehr wie StudiVZ an. Nur dass man unschuldige Passanten nicht “gruschelt”, sondern “knufft”.
Witzig und ein wahrer Mehrwert ist aber die Notizfunktion auf der Seite – eine Art persönliches Logbuch auf dem Profil.
Alexander Trust
19th Februar 2007
Mi dispiace, du studierst natürlich nicht. Aber das Kesselhaus sah auf den ersten Blick nicht wie ein Corporate-Blog aus. ;)
Anne Meier
20th Februar 2007
Nun, Corporate Blog hin oder her, Du befindest Dich auf der Couch des Kesselhauses ; ).
Kaffee?
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