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Carolin Loeffler | November 2007 | via Kundenmagazin
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“Journalismus, die vierte Gewalt im Staat.” So wurde es ihm in der Uni erklärt. Wie die Aasfresser im Wald, sind Journalisten die Gesundheitspolizei eines Systems. Die Tugenden dieser Berufsgruppe: Spürsinn, Neugier und Direktheit. Sie schnüffeln und stöbern. Sie weisen auf Schwächen hin, machen Stimmung, sorgen für Meinungsvielfalt und wühlen auch mal im Dreck.
Wie er schreiben muss, um einen Effekt zu erzielen – kein Problem, das hat er alles gelernt. Wahrscheinlich wäre er auch ein passabler Journalist geworden. Ist er doch neugieriger als Struwwelpeters Paulinchen. Und direkt. Sehr direkt. Sollen doch alle wissen, wie er von ihnen denkt. Man muss die Menschen auf ihre Schwächen hinweisen. Sonst gibt es keine Veränderung. Und das bedeutet Stillstand. Ein Zustand, den er nicht mag.
Den Spürsinn? Den hat er auch. Klar. Er findet nahezu alles, auch das Schlechte.
Er ist aber kein Journalist geworden. Zumindest nicht im eigentlichen Sinne. Er ist ein CPler. Was das ist? Darüber scheiden sich die Geister. Manche sagen, CPler sind Journalisten, nutzen sie doch ihr Handwerkszeug. Manche sagen, CPler sind PR-Leute, weil sie nicht objektiv sind. Das Dilemma herrscht eh nur, weil sich die Unis dieses Landes bedeckt halten, was eine Definition für Corporate Publishing betrifft. Diese Angsthasen! Was damit einhergeht? Sie wollen die CPler nicht ausbilden. Sie scheuen sich, Unternehmenspublizistik als eigenständigen, journalismusverwandten Bereich anzuerkennen. Er weiß warum. Die haben Angst, dass CPler ihnen die Ränge ablaufen. Man will sie klein halten. Jawohl. Denn die deutschen Medienwissenschaftler haben das Potenzial vieler CP-Produkte erkannt. Jetzt haben sie Angst. Nachts wälzen sie sich in ihren Betten und träumen schlecht von grandios aufgemachten Kundenmagazinen. Deshalb bilden sie CPler wie Journalisten aus. So impfen sie ihre verruchte Denke ein. Die Denke, dass alles schlecht ist in der Welt. Und dass jede fiese Tat auf einen Journalisten wartet, um von ihm entdeckt zu werden.
Es gibt 356 Universitäten in Deutschland. Eine einzige besitzt einen Studiengang, der sich mit Unternehmenspublizistik beschäftigt.
Trotzig schüttelt der CPler den Kopf. Sein grimmiges Fazit? “Bravo! Haltet uns klein. Doch Ihr habt eine Sache vergessen: Wir wissen, wie Ihr denkt, wie Ihr arbeitet. Ihr jedoch habt keine Ahnung von uns!”
5 Kommentare
Alex Skillz24th Juli 2008
Schreibt ein Schreiberling was noch nie Dagewesenes über das Sexleben von Adolf H., steigt die Auflage des Spiegels um locker 25%. Danke, soviel dazu!
Klar seid ihr CorPubs PR-Leute, klar seid Ihr Journalisten. Werbung und Kundenmags sollen das Produkt eines Unternehmens unters Volk bringen. Fertig. Reine Objektivität von CP zu verlangen ist schlichtweg Käse!
Carolin Löffler
31st Juli 2008
Gegenfrage:
Eine Regionalzeitung mit nicht sonderlich hoher Auflage schreibt einen durchaus wohlwollenden Artikel über ein ansässiges Unternehmen – mit der Hoffnung das Unternehmen erinnert sich bei der nächsten Anzeigenschaltung an die kleine Zeitung. Was ist das? Ist das dann etwa auch CP? Oder vielleicht sogar PR?
Es ging im Text niemals darum zu sagen CP’ler sind Journalisten (denn das sind wir nicht).
Aber wenn wir eines ganz sicher nicht sind, dann PR-Leute.
Und eines noch: die Bezeichnung Corp-Pubs-Leute finde ich doch reichlich daneben ;-)
Carolin Löffler
31st Juli 2008
Und eines noch:
Ich weiß leider nicht welche Erfahrungen Sie mit CP-Produkten bisher gemacht haben, aber ein gutes CP-Produkt ist obketiv aufgemacht. Ein wirklich gutes CP-Produkt kann sogar Fachmagazin-Charakter besitzen. Und unterscheidet sich dadurch unwesentlich von großen bekannten Magazinen und Zeitungen.
Oder wollen Sie mir weißmachen, dass die großen Verlage Deutschlands nicht auf die eine oder andere Weise Meiungen, politische Überzeugungen, etc. verbreiten? Wo ist also der Unterschied?
Zuschauer
31st Juli 2008
So, dann mach ich genau jetzt die Tüte Popcorn auf, setze mich auf´s Sofa und verfolge mal das Spiel. Ein Punkt für die CP´ler. Damit stehts 1:1. Weiter geht´s… (*knabber, knabber*)
Alex Skillz
2nd Oktober 2008
Zu: “Wissenschaft i. d. Zange”.
Vorneweg: meine aufrichtige Entschuldigung für “Cor-Pubs”! Die flatuläre Andeutung war geschmacklos. Zur Gegenfrage: PR oder Journalismus differenzieren sich letztendlich in der Intention des Verfassers eines Artikels. Schreibt er wohlwollend über das Unternehmen/Produkt, weil er persönlich eine (möglichst) objektive, positive Meinung davon hat, oder eben WEIL er oder sein Chefredakteur auf eine zukünftige Anzeigenschaltung durch eben dieses Unternehmen hofft? Würde die Regionalzeitung gar das Unternehmen an den wohlwollenden Beitrag erinnern?
Meine persönliche Erfahrung mit Printmedien ist als ehemaliger Verlagsmitarbeiter die, dass letztendlich alles der Rendite unterworfen wird. Ich glaube natürlich an den Anspruch der CP’ler zur Objektivität, befürchte aber stets doch die Subjektivität des erfolgreichen Wirtschaftens. Ich glaube, die Verunsicherung im Umgang mit CP seitens der “etablierten” Wissenschaft rührt von dieser schwierigen Unterscheidung her.
Die großen Verlage sind wirtschaftsorientiert, die Vernetzung mit politischen Entscheidungsträgern so alt wie die “vierte Gewalt” selbst. Bei denen ist man es vielleicht einfach schon gewohnt, auch mal zwischen den Zeilen lesen zu müssen. Séja.
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