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Sandra Simon | November 2007 | via Kundenmagazin
Kommentare (11) | RSS zum Artikel | Trackback zum Artikel

Wenn ich es schon höre - Pioniergeist. Da stellen sich mir die Nackenhaare auf. Wer kann davon leben, einer Idee hinterherzulaufen? Wer kann heute noch “unrentabel” wirtschaften? Deshalb meine These: Selbst gute Ideen taugen nichts, wenn die Referenzen, ja die Erfahrung in vielen Bereichen, nicht stimmen. Die Hoffnung mit der neuen herausragenden Innovation einem alteingesessenen Unternehmen den Rang abzulaufen, ist Zufall – auch Glück.
Beispiel 1: Mc Donalds
Die Fast Food-Kette sprang im Jahr 2003 auf die Coffee-to-go-Welle auf und füllte damit gleich zwei Nischen: Zum einen wurden zwei neue Zielgruppen erreicht – die Burger-Hasser und gleichzeitig die Kaffeefetischisten. Und zum zweiten gehört die bis dato nachmittägliche Ruhe nun der Vergangheit an. Doch, hätte Mc Café soviel Erfolg, wenn es eine aus dem Nichts entstandene Idee eines Noname-Unternehmers und nicht die von Ray Kroc gewesen wäre? Meine Antwort: Nein. Denn dank der bereits etablierten Marke, startete Mc Café durch und es lohnen sich auch weitere Investionen auf dem europäischen Markt…
Beispiel 2: Siemens
Die Erfolgsgeschichte von Siemens liest sich so: “[...] angefangen bei Werner von Siemens, der als visionärer Erfinder und Unternehmer den technischen Fortschritt im 19. Jahrhundert entscheidend vorantrieb bis zum heutigen ,global network of innovation’, einem Netzwerk von über 450.000 Menschen in mehr als 190 Ländern der Erde.”
Doch hätte Werner von Siemens auch heute noch große Chancen, mit einer innovativen Idee den Markt zu verändern? Nein, denn erstens ist der Markt wesentlich kleiner, so dass mögliche Innovationen schwer zu erringen sind. Zweitens ist der Markt von wirtschaftlichen Faktoren abhängig und nicht von Pioniergeist. Erst wenn eine Idee rentabel ist, kann sie auf dem Markt bestehen und weitere
Interessenten finden.
Beispiel 3: Games Convention in Leipzig
Dort jagte eine Innovation die andere. Doch mit welchen Begriffen werden Innovationen in Verbindung gebracht? Mit Marktführerschaft, mit Marken und mit Events, die auch nicht umsonst waren – fern von allem Pioniergeist.
Fazit: Meine These lautet deshalb: Der Pioniergeist ist der Wirtschaftlichkeit nachgeordnet. Denn mit Pioniergeist allein, ist kaum etwas zu erreichen – oder gar zu bewegen. Doch das nötige Kapital und oftmals eben auch der richtige Name machen aus einer Innovation einen echten Hype. Denn sie ist es, die schluss-endlich über einen Kauf entscheidet. Und ein wichtiges Detail fehlt dem guten alten Wort Pioniergeist ohnehin – die englische Übersetzung. “Pioneering spirit” ist ein indianisches Überbleibsel – wo hingegen Wirtschaftlichkeit alias “Economy” schon allein durch die “New Economy” echten Marktwert erreicht hat. Kurz: Herzlich willkommen, ihr Pioniere, legt endlich Waffen oder Halstücher ab, denn ihr seid im Jahr 2007 angekommen.
11 Kommentare
Ola19th November 2007
Der Markt heute ist ‘wesentlich kleiner’ als zu von Siemens Zeiten? Das verstehe ich nicht.
Leipzig Journal › Halstücher?
19th November 2007
[...] haben wir bei Kesselhaus einen eigenartigen Beitrag zum Thema Pioniergeist gefunden. Es fällt uns nicht leicht, einen [...]
Sandra Simon
20th November 2007
Sind wir einer Satire aufgesessen? Frau Simon?
Yes, you are… ;o)))
Sandra Simon
20th November 2007
Ob der Markt nun kleiner oder größer geworden ist, spielt im Grunde keine Rolle für diesen Text. Fakt ist, dass sich in Zeiten des knallharten Finanzdrucks von Pioniergeist schlecht leben lässt. Und dann muss es wohl auch in Kauf nehmen, Wirtschaftlichkeit und Ideengut in Gleichklang zu setzen.
Leipzig » Halstücher?
22nd November 2007
[...] haben wir bei Kesselhaus einen eigenartigen Beitrag zum Thema Pioniergeist gefunden. Es fällt uns nicht leicht, einen [...]
Leipzig » Halstücher?
22nd November 2007
[...] Vorhin haben wir bei Kesselhaus einen eigenartigen Beitrag zum Thema Pioniergeist gefunden. Es fällt uns nicht leicht, einen [...]
Alex Unruh
29th November 2007
„Fakt ist, dass sich in Zeiten des knallharten Finanzdrucks von Pioniergeist schlecht leben lässt. Und dann muss es wohl auch in Kauf nehmen, Wirtschaftlichkeit und Ideengut in Gleichklang zu setzen.“
Mir fällt da nur ein Charles Goodyear ein, der im 19. Jahrhundert Familie und Patent fast verloren hätte, weil er kein Geld hatte. Wo ist der Unterschied, Frau Simon?
Außerdem glaube ich, das es auch den heutigen „Pionieren“ recht gut geht. Solche Leute, die beispielsweise kleine, fehlerhafte Betriebssysteme kaufen, sie komplettieren und IBM anbieten – und zehn Jahre später sämtliche Reichtums-Bestenlisten anführen. Oder solche, die einen Algorhythmus schreiben, mit dem man im Internet alles findet. Oder Online-Warenhäuser und Tauschbörsen eröffnen. Die heutigen Pionieren sind keine lederbekleideten Fährtenleser aus Karl-May-Romanen. Aber so einer war auch Werner von Siemens nicht. Und auch nicht Krupp oder Horch oder Daimler.
Sandra Simon
29th November 2007
Herr Unruh, ich zähle um ehrlich zu sein, weder einen Algorithmusschreiber noch einen Betriebssystem-Verkäufer zu den Pionieren. Warum? Die Frage haben Sie im Grunde schon selbst beantwortet: Weil Sie einen Weg gefunden haben, IHR Produkt ZU VERKAUFEN. Ein Pionier hingegen, ist von einer IDEE überzeugt und würde aus ÜBERZEUGUNG auf wirtschaftliche Aspekte verzichten. In der Regel ziehen sehr wenige Pioniere Wirtschaftlichkeit in Betracht. Und haben sie es geschafft, den Pionierschuhen zu entwachsen (siehe Algorithmusverkäufer) ist er kein Pionier mehr, denn er unterliegt der Wirtschaftlichkeit.
q.e.d.
Ola
29th November 2007
Haha. Q.e.d.? Was denn?
Sandra Simon
30th November 2007
Sehen Sie das anders? :o)
Alex Unruh
3rd Dezember 2007
Ein Werner von Siemens ist ein Pionier und ein Bill Gates nicht? Auf welche wirtschaftlichen Aspekte hat Siemens denn verzichtet? Hat er seine Firma nur aus reiner Selbstlosigkeit und Mitleid mit den Aktionären der Zukunft gegründet? Nein! Edison war so einer (wenn auch ein ziemlich erfolgreicher), Goodyear und Zuse und noch eine Reihe anderer. Aber wer Siemens einen Pionier nennt und Gates nicht, bewegt sich meines Erachtens nach auf obladendünnem Eis. Beide hatten Ideen, die die Welt veränderten und haben sie ziemlich geschickt zu Geld gemacht. Beide leb(t)en in industrialisierten Zeitaltern und beide hatten den knallharten Zwang zur Wirtschaftlichkeit. Und beide haben es geschafft. Es ist ein Fakt: Mit außergewöhnlich guten Innovationen kann man damals wie heute blendend Geld verdienen.
PS: Ich zähle Mc Café wohl zu rentablen, nicht aber zu außergewöhnlichen Innovationen – nichts, für was man eines Pioniers bedürfte…
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