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    Andreas Stoetzner | Mai 2007 | Die Meinungsmacher
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    Interviewen bedeutet Hineinschauen, Einblick geben. Im Sinne dieser Definition gab die ZDF-Redakteurin Annegret Oster in ihrem Workshop etwa 30 angehenden Journalisten ein Interview. Und die Kulisse dazu bot der „Medientreffpunkt Mitteldeutschland“ im Hotel Westin Leipzig.

    Als Quintessenz der Veranstaltung möchte ich “10 Gebote des guten Interviews” formulieren und kommentieren:

    • Rote Fäden stricken: Damit die Geschichte funktioniert Fragen und Antworten vorplanen. Dabei aber offen sein für Umwege, Abkürzungen, Kehrtwenden …
    • Ohne ausreichende Vorrecherche kein erfolgreiches Interview. Sonst wird das Interview “flach”, schlimmstenfalls wird man vom Befragten “vorgeführt”.
    • Wenn Interviewanfrage abgelehnt wird, brieflich nachfragen wer antworten kann/muss. Ggf. Veröffentlichung “xyz war nicht zu Stellungnahme bereit” androhen.
    • Wenn Vorurteile des Gesprächspartners absehbar sind: informellen Vortermin vereinbaren. Dabei keine tiefergehenden “Gefühlsfragen” vorwegnehmen – sonst kann´s heikel werden.
    • Interviewfragen nicht vorab zusenden und nicht auf “Generalprobe” einlassen. Sonst wird das Interview und damit der Artikel langweilig.
    • Bei interessanten oder unbefriedigenden Antworten sofort nachhaken. Der frühe Vogel fängt den Wurm! Bei GoodGuy/BadGuy-Spielchen gilt dagegen oft: Die zweite Maus kriegt den Käse!
    • Befragten konkrete Aufgabe stellen: “Jetzt bitte ein Statement – drei Punkte in drei Sätzen”! Im konstruktiven Interview Befragten darauf hinführen, im Konfrontationsinterview überfallartig.
    • Bei Erstellung des Artikels die Anordnung der Fragen/Antworten gern mal verändern. Kann ursprünglich geplanten Spannungsbogen verstärken, besonders bei Radio-/TV-Interview.
    • Keine Veröffentlichung von O-Tönen ohne Einverständnis des Befragten; unautorisierte Bilder großflächig verpixeln. Sonst heißt es bald: Wenn der Rechtsanwalt dreimal klingelt!
    • Respektvoll mit Interviewpartnern umgehen, besonders bei gefühlsbeladenen Themen. Was Du nicht willst, das man Dir tu´ …

    Mein Resumeé zur Veranstaltung: Gern mehr von solchen Workshops, in denen Profis unterhaltsam aus dem Nähkästchen plaudern und sich die Teilnehmer durch ihre Zwischenfragen individuell zum Thema weiterbilden.





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