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Annegret J. Freitag | April 2007 | via Kundenmagazin
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Ring frei für einen Champion und ein Fliegengewicht. Wenn ein Printmagazin auf einen digitalen Herausforderer trifft,
steht eines fest: Inhaltliche Vielfalt und gestalterische Höchstleistungen stehen im Vordergrund. Denn sonst gehen beide K.O.

Hereinspaziert, hereinspaziert – willkommen zum großen Kampf der Magazine.
In der roten Ecke: der Klassiker. Ein echtes Schwergewicht seiner Profession – das Printmagazin. Grinsend lässt es die klebegebundenen Falz-Muskeln spielen. Lässig flattern seine strammen Seiten in der stickigen Hallenluft. Offenbar weiß der Champion nicht, dass hier seine Zukunft auf dem Spiel steht.
In der blauen Ecke: der Herausforderer. Eher als Fliegengewicht kommt es daher – das E-Magazin (sprich: “iiiih-Magazin“). Lediglich seine unverzichtbaren Ausgabemedien – ein Laptop muss es mindestens sein – geben ihm etwas Bodenhaftung, ja – machen es für das aufgeheizte Publikum überhaupt erst sichtbar. An Selbstbewusstsein mangelt es ihm indes nicht: Fröhlich lässt es seine interaktiven Elemente aufblinken.
Schon ertönt der Gong zur ersten Runde – die Spannung im Saal ist mit Händen zu greifen. Die Kontrahenten tänzeln aufeinander zu. Plötzlich ein heftiger Schlagabtausch: Das arme Einzelvertriebsstück sieht sich auf einmal hunderten, ja tausenden identischer Gegner gegenüber. Bevor der Champion getroffen zu Boden flattert, hört er noch ein verächtliches “Tja, millionenfache kostenlose Reproduzierbarkeit” aus der blauen Ecke zischen. Verdattert zieht sich der einstige Platzhirsch in die rote Ecke zurück.
Doch in Runde Zwei schlägt er zurück: “Wie haptisch bist du denn?” fragt er das E-Magazin mit bösem Grinsen. Und trifft es dann mit einem gekonnten Haken an seiner empfindlichsten Stelle: dem Netzwerkkabel. Getrennt vom WWW steht der virtuelle Athlet plötzlich sehr allein da. Gerade als sein Gegner zum K.O.-Schlag ansetzen will – dem Druck auf den Powerknopf – verschafft sich der Online-Vertreter mit einem interaktiven Feuerwerk nochmal etwas Luft. Geblendet von blinkenden Videos, kreischenden Audiofiles, und unzähligen E-Mail-Eingabeaufforderungen taumelt das Printmagazin zurück – und wirkt trotz aufwendiger Hochglanzfassade plötzlich irgendwie farblos.
Die Sympathien des Publikums scheinen zu drehen. Immer mehr feuern den Herausforderer an. Immer mehr wollen nur noch eins: klicken, klicken, klicken statt blättern, blättern, blättern. Oder lassen sich die Massen einfach nur mitreißen vom Glanz des Neuen, vom Versprechen grenzenloser Interaktivität?
Im Ring jedoch bietet sich mehr und mehr ein Bild des Jammers: Schwer angeschlagen ringen beide Gegner um Atem – und haben sich inzwischen auf Verbalattacken zurückgezogen. “Du bist doch einfach nur billig”, schnauzt der arg zerknitterte Champion seinen leicht flimmernden Kontrahenten an. “Und du bist total von vorgestern”, keucht es aus der blauen Ecke zurück. Publikum und Ringrichter sind gleichermaßen verwirrt: Es scheint sich einfach kein klarer Sieger abzuzeichnen.
Schließlich schreitet der Unparteiische ein, reißt mit einem Arm die lädierte Titelseite des Printmagazins und mit dem anderen das traurig herabbaumelnde Netzwerkkabel des E-Mags hoch und verkündet: “Unentschieden!”
Doch bei Betrachtung der beiden ausgepumpten und nach dem Fight recht unansehnlichen Kämpfer kommt vor allem ein Gedanke auf: Ob gedruckt oder virtuell – wenn sie gestalerisch und inhaltlich nicht höchste Qualität bieten, enden beide als “iiiih-Magazin”. Und das will dann keiner mehr sehen.
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